Jüngerschaft
Historischer Hintergrund
- Die Lehre von Jüngerschaft in der ICOC ist als eine
Reaktion gegen Gleichgültigkeit in den traditionellen Gemeinden
entstanden.
- Das Konzept von der sogenannten Jüngerschaftsbeziehung hat
sich aus dem "Prayer Partner" Konzept der Crossroads-Bewegung
entwickelt.
- Das Ziel war, alles weiter zu geben, was wir gelernt bzw erfahren
haben, damit jeder fähig ist, anderen so weit wie möglich
geistlich zu helfen.
- Grundidee: Training in geistlichem Denken. Jeder lernt, für
sich Entscheidungen zu treffen, die Gott gefallen
Positive Aspekte
- Tiefe und offene Freundschaften
- Einheit und Fokus in den Gemeinden
- Stillt Bedürfnisse in der neuen Bewegung (wenige reife Christen)
Negative Aspekte
- Gesetzlichkeit: es war eine Bedingung der Mitgliedschaft der ICOC
- Eine ungesunde Sozialkultur ist dadurch entstanden:
- nur eine Art von Christen, statt verschiedene Gaben und Rollen
(Röm 12)
- fast jeder ist ein Lehrer, statt wenig (Jak 3,1)
- Unmundigkeit, Unreife und Mangel an Initiative, weil jemand
"für dich denkt"
- Fokus auf Werke statt Gnade führt zu Unsicherheit und
fehlender Motivation
- Implizite Botschaften: "du brauchst diese Art von Hilfe"; "du bist
unreif"; "man kann Freundschaft fabrizieren"
- Auswirkungen: emotionale Abhängigkeit, psychologische Krankheit
(co-dependency)
- Niedriger Maßstab für Freundschaft (schnell vergessen)
- Eine auf Angst basierte Verantwortung für anderen führt
zu Kontrolle, bedingter Liebe und fehlendem Vertrauen
- Die Schwächsten kriegen Hilfe von denen, die ihnen am
wenigsten helfen können
- Die biblischen "einander"-Stellen werden geschwächt (das
"nicht meine Verantwortung" Problem)
Mentoring: gleich Jüngerschaft?
- Ähnliches Konzept, das oft in der Wirtschaft verwendet wird
- Mentor: Erfahrener und vertrauter Ratgeber
- Grundidee: Denken
- Gewählt (aufgrund von Respekt), statt zugeteilt
- z.B. ein Karatelehrer, der nur eine Niveau hoher als der Student
ist, würde nicht als Mentor bezeichnet werden.
Bibelstellen in bezug auf Jüngerschaftsbeziehungen
Es gibt kein biblisches Gebot für
Jüngerschaftsbeziehungen, wie wir sie praktiziert haben. Am
Besten ist es als eine Meinungssache zu behandeln (siehe Röm 14).
- Matt 28,18-20 Und Jesus trat zu [ihnen] und redete mit
ihnen und sprach: Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf Erden.
Geht nun hin und macht alle Nationen zu Jüngern, indem ihr diese
tauft auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen
Geistes, und sie lehrt alles zu bewahren, was ich euch geboten habe!
Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zur Vollendung des
Zeitalters.
Was heißt "lehrt alles zu bewahren"?
- Interpretation 1: wir sollten dafür sorgen, dass jeder
Gottes Gebote hält, z.B. durch menschliche Rechenschaft.
- Interpretation 2: wir sollten einander belehren, unsere eigenen
Überzeugung zu haben, damit man keine menschliche Rechenschaft
braucht, weil man versteht, dass man Rechenschaft vor Gott geben
wird.
In welchem Fall machen wir Jünger von Jesus, und in
welchem Fall Jünger von uns? Will Gott, dass wir
Abhängigkeit, oder Selbständigkeit und Eigenverantwortung
lernen?
- 2.Tim 2,2 und was du von mir in Gegenwart vieler Zeugen
gehört hast, das vertraue treuen Menschen an, die tüchtig
sein werden, auch andere zu lehren.
- 1.Tim 3,6 nicht ein Neubekehrter, damit er nicht,
aufgebläht, dem Gericht des Teufels verfalle.
Gottes Plan für Leitung ist dass erfahrene, bewährte
Männer die Gemeinde leiten sollten.
- 1.Kor 11,1 Seid meine Nachahmer, wie auch ich Christi
[Nachahmer bin]!
Vergleich mit 5.Mos 18,9; Heb 6,12; Heb 13,7; 3.Joh 11. Es geht
darum, dass wir das Gute imitieren, und das Böse nicht
imitieren. Unsere Verantwortung ist es, zu bewerten und zu
entscheiden, was gut bzw böse ist.
- Spr 14,15 Der Einfältige glaubt jedem Wort, aber
der Kluge achtet auf seinen Schritt.
Nicht ohne denken! Wir sind verantwortlich für unser Leben und
Entscheidungen.
- 1.Kor 11,19 Denn es müssen auch Parteiungen unter
euch sein, damit die Bewährten unter euch offenbar werden.
Einheit kommt nicht ohne Verschiedenheiten und Diskussion.
- Röm 12,4-8 Denn wie wir in einem Leib viele
Glieder haben, aber die Glieder nicht alle dieselbe Tätigkeit
haben, so sind wir, die vielen, ein Leib in Christus, einzeln aber
Glieder voneinander. Da wir aber verschiedene Gnadengaben haben nach
der uns verliehenen Gnade, [so laßt sie uns gebrauchen]: es sei
Weissagung, nach dem Maß des Glaubens; es sei Dienst, im
Dienen; es sei, der lehrt, in der Lehre: es sei, der ermahnt, in der
Ermahnung; der mitteilt, in Einfalt; der vorsteht, mit Fleiß;
der Barmherzigkeit übt, mit Freudigkeit.
Wir sind nicht gleich, und wir machen nicht gleich, aber jeder macht
etwas zum Vorteil der anderen
Andere Bibelstellen über Jüngerschaft
- Mark 1,14-18 Und nachdem Johannes überliefert war,
kam Jesus nach Galiläa und predigte das Evangelium Gottes und
sprach: Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist nahe
gekommen. Tut Buße und glaubt an das Evangelium. Und als er am
See von Galiläa entlangging, sah er Simon und Andreas, Simons
Bruder, im See die Netze auswerfen, denn sie waren Fischer. Und Jesus
sprach zu ihnen: Kommt mir nach, und ich werde euch zu
Menschenfischern machen; und sogleich verließen sie die Netze
und folgten ihm nach.
Es scheint hier, dass Jesus zwei Rufe machte: den Ersten zu Umkehr
und Glauben, und den Zweiten zum Menschenfischen. Passt das zusammen
mit der Reste der Bibel?
- Luk 9,23-26 Er sprach aber zu allen: Wenn jemand mir
nachkommen will, verleugne er sich selbst und nehme sein Kreuz auf
täglich und folge mir nach. Denn wer sein Leben retten will,
wird es verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der
wird es retten. Denn was wird es einem Menschen nützen, wenn er
die ganze Welt gewönne, sich selbst aber verlöre oder
einbüßte? Denn wer sich meiner und meiner Worte
schämt, dessen wird der Sohn des Menschen sich schämen,
wenn er kommen wird in seiner Herrlichkeit und der des Vaters und der
heiligen Engel.
- Luk 14,25-33 Es ging aber eine große
Volksmenge mit ihm; und er wandte sich um und sprach zu ihnen: Wenn
jemand zu mir kommt und haßt nicht seinen Vater und seine
Mutter und seine Frau und seine Kinder und seine Brüder und
Schwestern, dazu aber auch sein eigenes Leben, so kann er nicht mein
Jünger sein; und wer nicht sein Kreuz trägt und mir
nachkommt, kann nicht mein Jünger sein. Denn wer unter euch, der
einen Turm bauen will, setzt sich nicht zuvor hin und berechnet die
Kosten, ob er [das Nötige] zur Ausführung habe? Damit nicht
etwa, wenn er den Grund gelegt hat und nicht vollenden kann, alle,
die es sehen, anfangen, ihn zu verspotten, und sagen: Dieser Mensch
hat angefangen zu bauen und konnte nicht vollenden. Oder welcher
König, der auszieht, um sich mit einem anderen König in
Krieg einzulassen, setzt sich nicht zuvor hin und ratschlagt, ob er
imstande sei, dem mit zehntausend entgegenzutreten, der gegen ihn mit
zwanzigtausend anrückt? Wenn aber nicht, so sendet er,
während er noch fern ist, eine Gesandtschaft und bittet um die
Friedensbedingungen. So kann nun keiner von euch, der nicht allem
entsagt, was er hat, mein Jünger sein.
Es ist möglich, einen Maßstab hier herauszulesen, der
unmöglich hoch ist, den sogar die 12 nicht halten konnten
(siehe Apo 15,10)
- Apo 21:16 Es gingen auch [einige] der Jünger aus
Cäsarea mit uns und brachten uns zu einem gewissen Mnason, einem
Zyprer, einem alten Jünger, bei dem wir herbergen sollten.
Warum habe ich diese Stelle ausgesucht? Weil es das letzte Mal ist,
dass das Wort "Jünger" in der Bibel vorkommt! (d.h. es kommt
überhaupt nicht in den Briefen vor!) Der Begriff "Jünger"
bezeichnet (hauptsächlich) einen physischen
Nachfolger.
Zum weiteren Lesen (auf englisch)
Diese zwei Artikel haben mir viele Ideen für diese Botschaft gegeben.
Hoch empfohlen.
Diese zwei Bücher präsentieren die "offizielle" Argumenten für
bzw gegen die Jüngerschaftsbewegung.